Der Name „Zuntz selige Witwe“ bezieht sich auf Rachel Zuntz, geborene Hess, die 1814, wenige Tage nach der Geburt ihres Sohnes Leopold zur Witwe wurde.

1837 übernimmt sie das Kolonialwarengeschäft ihres Vaters in Bonn und gründet zusammen mit ihrem inzwischen 23-jährigen Sohn die Firma
A. Zuntz sel.Wwe.

Diese Bezeichnung entstammt einer Zeit in der alleinstehende Frauen in der Geschäftswelt nicht selbstverständlich waren und stellt den Vornamen des verstorbenen Gatten – in diesem Fall Amschel – vornan.

Die Kaffeerösterei wird schnell zum Hauptzweig des Unternehmens, obwohl sich die Kultur des Kaffeetrinkens verglichen mit Heute noch in den Kinderschuhen befindet.

1879, fünf Jahre nach dem Tod von Rachel Zuntz eröffnet ihr Enkel Albert, der die Geschäfte von seinen Eltern übernommen hat, die erste Filiale in Berlin und erfüllt damit einen Wunsch seiner Großmutter, die dort schon immer die Zukunft des Unternehmens sah.

1887 erhält die Firma ein Patent zur Herstellung eines Kaffekonzentrates und expandiert weiter nach Hamburg.
Der Name Zuntz genießt inzwischen so hohes Ansehen, dass die Firma zum Hoflieferant des Kaisers von Preussen ernannt wird.

 
Mit der Weltausstellung in Berlin 1896 gelingt dann der Durchbruch auf den Massenmarkt:
Der Ausschank-Pavillon findet so großen Anklang, dass Kaffe zum verbreiteten Getränk wird
und schon ein Jahr später die erste Kaffeestube in Berlin eröffnet.
Bis zum Jahr 1932 kann die Firma Zuntz weiter expandieren und hat neben Niederlassungen in Hannover, Dresden und Antwerpen weitere 55 Filialen, 12 Kaffeestuben und beschäftigt 800 Mitarbeiter.

Das hundertjährige Firmenjubiläum findet ohne die Familie Zuntz statt.
Durch die Machtübernahme der Nazis wurde auch diese jüdische Familie um ihren Besitz betrogen und vertrieben.

August Zuntz, einer der wenigen Überlebenden, kann sich nach England retten und führt die Geschäfte – vor allem den Handel mit Rohkaffee - im Stillen weiter.

Der Versuch seines Neffen August, nach 1945 in Berlin wieder Fuß zu fassen scheitert und 1951 wird Zuntz von Dallmayr übernommen.